Das g in ki steht für gestaltung

KI kann jetzt Plakate. Das Problem ist, dass man es ihnen ansieht.

Man sieht sie inzwischen überall: Plakate für Veranstaltungen, Vereinsfeste, Konzerte oder Märkte, dazu Flyer, Speisekarten und sogar Logos. Was viele davon gemeinsam haben, ist nicht nur ihre Entstehung mit künstlicher Intelligenz, sondern die Tatsache, dass man genau das häufig auf den ersten Blick erkennt. Viele dieser KI Designs sind maximal vollgepackt. Dramatische Bildwelten, intensive Farben, große Schriften und unzählige Details konkurrieren gleichzeitig um Aufmerksamkeit. Kaum etwas wird zurückgenommen, kaum eine Fläche bleibt frei und eine klare Hierarchie ist oft nur schwer zu erkennen. Das eigentlich Merkwürdige daran ist, dass bei all dieser visuellen Übertreibung am Ende erstaunlich wenig Individualität übrig bleibt. Das Vereinsfest bekommt dieselbe dramatische Inszenierung wie der Weihnachtsmarkt und ausgerechnet bei dem Versuch, besonders spektakulär auszusehen, sieht plötzlich alles gleich aus.

Dein ki design sieht aus wie ein ki design. genau das ist das problem.

Ein beeindruckendes Bild ist noch kein gutes Plakat. Ein Plakat muss innerhalb weniger Augenblicke vermitteln, worum es geht, wann und wo etwas stattfindet und welche Information zuerst wahrgenommen werden soll. Gestaltung beginnt deshalb nicht beim Erzeugen eines möglichst eindrucksvollen Bildes, sondern bei der Frage, wie all diese Informationen auf einer Fläche funktionieren sollen.

Eine Fläche darf auch einmal frei bleiben, eine Information weniger auffällig sein als eine andere und manches Element sogar vollständig fehlen. Ein gutes Layout schafft Hierarchien, arbeitet bewusst mit Abständen und Kontrasten und selbst die Wahl einer Schrift beeinflusst erheblich, wie ein Plakat wahrgenommen und gelesen wird. Dahinter stecken Wissen, Erfahrung, Übung und natürlich auch Talent. Genau deshalb hat die Tatsache, dass heute praktisch jeder innerhalb weniger Sekunden ein Motiv erzeugen kann, Menschen, die Gestaltung gelernt haben, nicht überflüssig gemacht. Besonders tragisch wird die Austauschbarkeit übrigens bei Logos, deren eigentliche Aufgabe schließlich darin besteht, individuell und wiedererkennbar zu sein.

als selbstgemacht noch wirklich selbstgemacht war.

Natürlich waren Plakate früher nicht automatisch gestalterische Meisterwerke. Es gab schon immer Flyer mit zu vielen Schriftarten und Vereinsplakate, auf denen unbedingt noch ein zusätzliches Foto untergebracht werden musste. Trotzdem hatten viele dieser Entwürfe einen Bezug zu dem Menschen, dem Verein, dem Betrieb oder der Veranstaltung, für die sie entstanden waren. Vielleicht stammte das Foto tatsächlich vom letzten Fest, vielleicht wurden die Vereinsfarben aufgegriffen oder auf der Speisekarte war wirklich das Essen zu sehen, das später auf dem Tisch landete.

Das Ergebnis war manchmal unbeholfen, aber individuell. Heute wird diese Art von Unperfektheit zunehmend durch etwas ersetzt, das auf den ersten Blick professioneller und gleichzeitig erstaunlich austauschbar wirkt. Wo früher vielleicht gestalterische Fähigkeiten fehlten, fehlt heute immer häufiger die eigene Handschrift. Zwischen immer mehr ähnlich wirkenden KI Designs kann selbst ein unperfekter Entwurf plötzlich etwas besitzen, das überraschend wertvoll geworden ist: Charakter.

das Problem sitzt hinter dem Bildschirm.

KI ist dabei schlicht ein weiteres Werkzeug und kann kreative Arbeit durchaus erleichtern. Schwierig wird es dort, wo das erste brauchbar wirkende Ergebnis gleichzeitig das letzte ist. Ein Prompt wird eingegeben, ein Ergebnis ausgewählt und veröffentlicht, weil es bereits fertig aussieht. Dabei könnte an diesem Punkt die eigentliche Arbeit erst beginnen. Man kann prüfen, ob die Bildidee zum Anlass passt, störende Elemente entfernen, Informationen sinnvoll anordnen, Typografie bewusst auswählen und das gesamte Ergebnis so lange verändern, bis es nicht mehr wie irgendeine generierte Vorlage aussieht, sondern tatsächlich zum jeweiligen Zweck passt.

Sinnvoll wird KI also nicht dadurch, dass sie möglichst viel Arbeit übernimmt, sondern dadurch, dass man selbst entscheidet, welche Arbeit man ihr überhaupt überlassen möchte.

ein letzter punkt.

Es wäre an dieser Stelle etwas ungünstig, einen Teil der Entstehung dieses Artikels zu verschweigen: Auch dieser Text ist mit Unterstützung künstlicher Intelligenz entstanden. Die Argumente, Beobachtungen, Haltung und inhaltliche Richtung standen jedoch vorher fest. Die KI hat dabei geholfen, diese Gedanken zu ordnen und daraus einen ersten zusammenhängenden Text zu machen. Dieser erste Text war allerdings nicht der Text, den Sie gerade lesen. Er wurde diskutiert, umgeschrieben, gekürzt und an einigen Stellen wieder verworfen.

Und damit sind wir ziemlich genau bei dem Punkt, um den es in diesem Artikel geht: Die KI durfte mitarbeiten. Entscheiden durfte sie nicht.

Das gilt für einen Blogartikel genauso wie für Plakate, Flyer, Speisekarten und Logos. Niemand muss professionelle Gestaltung beauftragen, nur weil etwas öffentlich gezeigt werden soll. Es spricht auch nichts dagegen, Dinge selbst zu gestalten oder dabei moderne Werkzeuge zu verwenden. Wenn das Ergebnis allerdings professionell, individuell und wiedererkennbar sein soll, lohnt es sich, Gestaltung nicht nur als den letzten Schritt zwischen Idee und Veröffentlichung zu betrachten. Es gibt Menschen, die sich genau damit beschäftigen, die das gelernt haben und die darin gut sind.

Vielleicht ist genau das der Punkt: Nicht alles, was sich in wenigen Sekunden erzeugen lässt, sollte auch nach wenigen Sekunden veröffentlicht werden.

wer sichtbar ist, wird auch gesehen

gestalte etwas einzigartiges.